
Mit den Händen Farbe verwischen: Weiche Pastellkreiden für Anfänger
Deine Fingerspitzen sind der Pinsel
Ein weiches Pastell besteht fast nur aus Pigment – demselben Pulver, das auch in der Ölfarbe steckt, hier nur mit einem Hauch Bindemittel zu einem Stift gepresst. Kein anderes Material bringt Farbe so pur aufs Papier, und genau deshalb leuchten fertige Pastellbilder von innen heraus. Übrigens ist die Technik älter, als du denkst: Schon um 1499 lernte Leonardo da Vinci sie von einem französischen Hofkünstler, und das Paris des 18. Jahrhunderts war so verrückt nach Pastellporträts, dass sein größter Star, Maurice Quentin de La Tour, nie zum Öl griff. Degas machte das Pastell im Alter zu seinem wichtigsten Mittel. Das älteste Pastellhaus der Welt rollt seine Stifte in Frankreich bis heute von Hand – über 1.200 Farben, jeder Stift so teuer wie ein schönes Abendessen.
Was dir im Kunstladen keiner verrät: Am Papier entscheidet sich, ob du dieses Material liebst oder nach einer Woche hinwirfst. Weiches Pastell braucht Zahn – eine feine Struktur, die das Pulver packt und festhält. Auf glattem Druckerpapier rutscht die Farbe nur hin und her und wird zu grauem Matsch, während derselbe Stift auf echtem Pastellpapier regelrecht singt. Da würde ich niemals sparen, und mein Vergleich von Material, das hält, gegen billigen Kram, der dich im Stich lässt trifft auf nichts in diesem Hobby so sehr zu wie aufs Papier.
Meine Devise ist hier stur minimalistisch: ein Set Studienpastelle, ein Block mit zahnigem Papier, ein paar Papierwischer und ein Knetradierer. Mehr nicht. Staffelei, edles Fixativ und Spezialpapiere haben Zeit, bis du weißt, dass dir regenbogenbunte Finger wirklich Freude machen.
Alles, was jetzt kommt, habe ich mit dem Geldbeutel einer Anfängerin im Kopf ausgesucht – auch damit nichts davon auf der Liste der Materialien landet, für die Anfänger ihr Geld zum Fenster hinauswerfen.
Weichpastellkreiden in Schülerqualität, eckiges 64-Farben-Set


Eckige Weichpastelle in Schülerqualität sind etwas fester als die Profistifte. Deshalb geben sie ihr Pigment nach und nach ab und verzeihen dir auch mal einen kräftigen Druck. Die Kanten werden ganz nebenbei zum Zeichenwerkzeug für Linien und saubere Striche, während du mit den flachen Seiten breite Farbflächen für Himmel und Hintergründe hinlegst. Achte auf ein Set mit einer vollen Palette an Grautönen und gedeckten Farben, nicht nur Knallern — Landschaften verschlingen gedeckte Töne geradezu.
Getöntes Pastellpapier mit rauer, griffiger Oberfläche


Ein Pastellblock mit echter Struktur hält das Pigment in seiner Oberfläche fest, statt es abrutschen zu lassen. Und die mitteltonigen, gefärbten Blätter nehmen dir die halbe Bildkomposition ab — ein graublaues Blatt liest sich schon als Himmel, bevor du überhaupt einen Strich gesetzt hast. Mit 160 g/m² verträgt das Papier Wischen und Korrigieren, ohne sich zu wellen. Jedes Blatt hat auf der einen Seite meist eine gröbere Struktur als auf der anderen, du wählst also selbst, wie viel Griff du haben möchtest.
Papierwischer und Estompen in verschiedenen Größen


Papierwischer sind fest gerollte Papierstäbchen, die Pastell dort glätten und weich verlaufen lassen, wo deine Finger zu breit oder zu warm sind. Estompen sind ihre kleineren, spitz zulaufenden Verwandten für enge Stellen. Ein Set mit gemischten Größen deckt alles ab — vom Weichzeichnen eines ganzen Himmels bis zum sanften Auslaufen einer Schattenkante. Sind die Spitzen erst schmutzig, kannst du sie mit einem kurzen Zug über Schmirgelpapier wieder frisch machen.
Knetradiergummis zum Abheben von Pastell ohne Verschmieren


Ein Knetradiergummi ist eine weiche, formbare Masse, die Pigment durch Andrücken und Tupfen vom Blatt hebt, statt zu reiben — so nimmst du Farbe weg, ohne sie tiefer in die Struktur zu drücken. Formst du ihn zur Spitze, ziehst du damit Lichter aus einer fertigen Stelle heraus — etwa einen hellen Mond aus einem Pastellhimmel. Faltest du ihn über sich selbst, ist er für den nächsten Einsatz wieder sauber.
Mit diesen vier Dingen bringst du schon am ersten Tag eine kleine Landschaft zu Ende – keine Trockenzeit, kein Aufräumen außer Händewaschen. Zwei Gewohnheiten gleich von Anfang an: Neige dein Brett, damit der herabfallende Staub vom Bild wegrieselt statt sich wieder darauflegt, und leg dir ein feuchtes Tuch daneben. Ein kurzer Fingerwisch zwischen den Farben entscheidet nämlich darüber, ob dein Himmel klar wird oder matschig. Wenn du schon einmal mit Kohle gezeichnet hast, begrüßt du den Knetradierer wie einen alten Freund – er hebt das Pastell genauso ab, durch Tupfen statt Reiben. Der nächste Abschnitt zeigt dir das Zubehör, das ich mir tatsächlich als Zweites holen würde.
Was sich lohnt, wenn sich der Staub gelegt hat
Nichts davon gehört in deine erste Bestellung, und das ist Absicht – bei jedem staubigen Material kaufen Anfänger das Zubehör, bevor sie überhaupt einen einzigen Stift abgenutzt haben. Komm nach ein paar Sitzungen wieder, wenn du merkst, was dir fehlt. Bei den meisten ist es das Detail: Ein weicher Pastellstift ist ein grobes Werkzeug, und sobald du das Glänzen in einem Auge oder einzelne Grashalme in eine Wiese setzen willst, wünschst du dir einen Pastellstift oder einen festen Stift mit echter Kante. Wenn du dich schon durch ein Set für Buntstifte gearbeitet hast, liegen dir Pastellstifte vertraut in der Hand – auf dem Papier verhalten sie sich aber völlig anders, denn der Kern ist pudrige Kreide, kein Wachs. Das Fixativ ist der umstrittenste Posten auf dieser Seite: Viele Pastellmaler sprühen prinzipiell nicht, weil es die Farben stumpf und dunkel machen kann. Sieh es also eher als Versicherung fürs Aufbewahren an, nicht als Pflichtschritt zum Schluss.
Pastellstifte für Augen, Kanten und feine Details


Pastellstifte bringen eine anspitzbare Spitze auf dasselbe trockene Pigment wie deine Kreiden — so bleiben Detailarbeiten im gleichen Medium, statt dagegen anzukämpfen. Sie sind dein Werkzeug für Schnurrhaare, Wimpern, Grashalme und jede Linie, die feiner sein soll als eine Kreidekante. Zum Start reicht eine kleine, gemischte Dose völlig — die meisten Detailarbeiten leben von Dunkel, Hell und einer Handvoll Akzente.
Fixativspray auf Kaseinbasis für fertige Pastellbilder


Ein Fixativ bindet das lose Pigment auf einem fertigen Pastell, damit du das Bild lagern oder anfassen kannst, ohne dass etwas verschmiert. Eine Mischung aus Kasein und Alkohol in der Pumpflasche riecht kaum und geht viel schonender mit den Farben um als die klassischen Aerosol-Lacke, die dafür berüchtigt sind, alles nachzudunkeln. Egal, welche Rezeptur du wählst: teste sie immer erst an einem Schnipsel, bevor du an ein fertiges Werk gehst.
Geschliffener Pastellblock für kräftiges Schichten


Geschliffenes Pastellpapier trägt eine feine, raue Beschichtung, die viel mehr Pigment greift als gewöhnliches strukturiertes Papier. So kannst du Schicht auf Schicht auftragen, ohne dass sich die Oberfläche zusetzt und neue Farbe abweist. Die schweren Blätter bleiben auch unter Druck glatt und lassen sich gut korrigieren. Die verschiedenen gedämpften Töne liefern gleich fertige Hintergründe – für Landschaften wie für Porträts.
Feste Pastellsticks für Skizzen und klare Linien


Feste Pastelle enthalten mehr Bindemittel als weiche Sticks. Das gibt ihnen einen härteren Körper, der sich zu einer Kante zuspitzen lässt und unter einem beherzten Strich nicht bröselt. Sie sind das klassische Werkzeug für die erste Skizze unter einer weichen Pastellmalerei und für klare Akzente darüber. Außerdem stauben sie viel weniger, was sie für schnelle Studien angenehm macht.
Nimm dir diese Dinge nach und nach vor, jedes eröffnet dir etwas Eigenes: Stifte bringen dir Details, feste Stifte geben dir zeichnerische Kontrolle, geschliffenes Papier schluckt Schicht um Schicht, ohne zuzusetzen, und Fixativ lässt ein fertiges Bild ein Leben im Bücherregal überstehen. Wenn dir der buttrige, staubarme Verwandte dieses Materials eher liegt, ist das eine ganz andere Welt: Ölpastelle sind wachsiger, kräftiger und viel weniger empfindlich. So oder so – lass das Zubehör nicht die eigentliche Arbeit verdrängen: mit den Fingern Pulver über das Papier schieben, bis ein Bild auftaucht.
Die Fragen, die nach dem ersten staubigen Nachmittag alle stellen
Warum werden meine Farben immer zu grau-braunem Matsch?
Fast immer steckt eins von zwei Dingen dahinter: Du verwischst jeden Strich zu Tode, oder deine Finger tragen noch die letzten fünf Farben mit sich herum. Zu stark verwischtes Pastell verliert das frische Funkeln an der Oberfläche, das dieses Material so besonders macht, und ein pigmentverschmierter Finger ist im Grunde ein Matsch-Applikator. Wisch dir zwischen den Farbfamilien die Hände am feuchten Tuch ab, verwische einmal statt fünfmal, und lass manche Striche ruhig stehen – die Struktur wirkt lebendig, nicht schlampig.
Kann ich den losen Staub nicht einfach wegpusten?
Das ist der natürlichste Reflex der Welt, und fast jeder Pastelllehrer wird dich anflehen, es zu lassen. Beim Pusten wirbelst du feinstes Pigment in genau die Luft, die du einatmest, und es besteht die reale Gefahr, aufs Papier zu spucken – das gibt einen bleibenden Fleck. Klopf stattdessen kräftig auf die Rückseite des Bretts, über einen Eimer, oder arbeite mit geneigter Fläche, sodass der Staub von selbst herunterfällt. Die Zeichnung verliert nichts, und deine Lunge bleibt außen vor.
Warum ist mein Bild nach dem Sprühen dunkler geworden?
Das Fixativ bindet das lose Pigment, und gebundenes Pigment reflektiert weniger Licht – deshalb kippen besprühte Stellen oft ins Dunklere und Stumpfere, manchmal ganz erheblich. Anfänger merken das meist an einem fertigen Bild, auf das sie stolz waren – der denkbar schlechteste Moment. Probier die Dose immer erst an einem Rest desselben Papiers aus, sprüh, wenn überhaupt, in feinen Nebelstößen aus der Distanz, und denk daran: Papier mit starkem Zahn hält das Pastell oft so gut fest, dass du dir das Fixieren sparen und direkt unter Glas gehen kannst.
Gibt es eine günstige Art zu üben, ohne mein gutes Papier durchzubringen?
Ja, und sie versteckt sich im Baumarkt: feines Nassschleifpapier mit Körnung 1000 bis 1200 verhält sich verblüffend ähnlich wie professionelles Schleifpastellpapier – zu einem Bruchteil des Preises. Es ist nicht alterungsbeständig, was darauf entsteht, hält also keine Jahrzehnte, aber fürs tägliche Üben ist das egal. Eine Warnung noch: Es bleibt Schleifpapier. Verwische mit den Fingern nur dort, wo schon eine Pastellschicht liegt, sonst schleifst du dir statt der Zeichnung deine Fingerspitzen ab.
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